Einige Überlegungen zum Thema "Fliegen" im Physikunterricht der Unterstufe
 

Lehrplan 2000 (Österreich):

Dem Thema ist ein Modul des Kernbereichs in der 2. Klasse gewidmet:

Der Traum vom Fliegen:

Ausgehend von Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler sollen die wesentlichsten Vorgänge beim Fliegen nach dem Prinzip "leichter als Luft" und "schwerer als Luft" verständlich gemacht werden.

- Bewegungsmöglichkeiten von Kleinstkörpern, etwa Staubkörnern, Sporen oder Regentropfen verstehen;
- Die grundlegenden Vorgänge bei einer Ballonfahrt verstehen;

- Das "aktive" Fliegen von beispielsweise Vögeln, Schmetterlingen oder Flugzeugen auf Grund einfachster Modellvorstellungen verstehen.
 

Der Lehrplanentwurf kann vom Schulserver des Bundesministeriums geladen werden.
 

Kritik:

Das Thema "Fliegen" ist sicherlich ein wichtiges und interessantes mit vielen Alltagsbezügen. Es darf allerdings bezweifelt werden, ob ihm ein eigener Modul gebührt.

 
a) Fliegen als Bewegungsform

Im Rahmen der Fortbewegungsformen kommen in der Alltagswelt der Kinder zuerst jene, die sie selbst und unmittelbar ausüben können, also

Natürlich werden auch schon einige Kinder in Flugzeugen oder mit Ballonen geflogen sein, trotzdem sind die obigen Bewegungsformen wohl unmittelbarer mit körperlicher Erfahrung in diesem Alter verbunden.

Tatsächlich erscheinen auch andere Bewegungsarten im Lehrplan, es gibt sogar einen eigenen Modul "Die Welt, in der wir uns bewegen" - hier geht es aber nach den Intentionen der Autoren vor allem um bewegungsfördernde und bewegungshemmende Einflüsse. Auch in anderen Modulen scheinen Bewegungen auf ("Schwimmen" im Modul "Alle Körper bestehen aus Teilchen") ein gemeinsamer Modul für alle relevanten Bewegungsarten erscheint sinnvoll.
 

b) "Fliegen" in der Alltagswelt

Was Schüler mit "Fliegen" verbinden, geht weit über die Schlagworte im Lehrplan hinaus. Dies wäre nicht besonders bemerkenswert, enthielten nicht gerade diese zusätzlichen Aspekte viele alltagsrelevanten Bezüge, wie sie grundsätzlich im Lehrplan gefordert werden.

Natürlich eröffnet sich ein Gesamtbild, das in der Fachstruktur der Physik in viele verschiedene Teilgebiete fällt.

Ich bin mir nicht sicher, wie weit die im Lehrplan erwähnten Phänomene wie Regentropfen oder Staubkörner mit "Fliegen" assoziiert werden - vom Standpunkt der Physik ist es aber durchaus wünschenswert, sie damit zu verbinden (Widerstandskräfte in Medien - Reynolds-Zahl ...!).

Erwähnenswert erscheint mir aber die starke Assoziation mit Bällen und anderen geworfenen Objekten. Im Physikunterricht werden diese meist luftlos in der reibungsfreien Mechanik behandelt, gerade bei verschiedenen Ballsportarten spielt die Aerodynamik eine entscheidende Rolle - man denke nur an die gedrehten Bälle bei Fußball, Tennis oder Tischtennis. Genauso "fliegen" auch Raumflugkörper!

Versucht man einen ganzheitlichen Zugang, der die vielfältigen Alltagserfahrungen berücksichtigt, sollte man wohl zuerst mit "Fliegen" beginnen, das auch körperlich erfahren werden kann und später zu den technischen Geräten fortschreiten. So gedacht sollten am Beginn eher Phänomene wie kleine Fluggeräte sowie geworfene Objekte (z.B. Bälle) stehen, darauf folgend das Fliegen im Tierreich und bei technischen Geräten.